Sheyda_Schreiber_polyvagale_Theorie_Yoga

Emotionen formen den Körper

Vor 250 Jahren schrieb Darwin, dass uns Menschen unsere Emotionen ins Gesicht geschrieben stehen und wir diese am Gesicht des anderen ablesen können. Er nannte den Nerv, der uns ‚auf den Magen schlägt‘ den pneumogastrischen Nerv. Heute wissen wir, er sprach vom dorsalen Vagus-Ast. Der für die ultima ratio der neuronalen Kreisläufe des autonomen Nervensystems steht: für einen Zustand, den das autonome Nervensystem nur eingeht, wenn kämpfen oder flüchten (was vom neuronalen Kreislauf des Sympathikus gesteuert würde) keine Option mehr sind, der Organismus also aufgibt und zum Überleben eine allerletzte Trumpfkarte zieht: den Reflex des Sich-tot-stellens, Einfrierens, Dissoziierens – aus dem Körper gehen (aber nicht sterben), kollabieren.

Diese Beschreibung steht für die Sicherung des Über-Lebens. Es ist eine pure Notfallstrategie, die im Fall von Lebensbedrohung vom dorsalen Vagus-Komplex ausgeführt wird. Sie sichert das Überleben des Individuums.

Leben in Sicherheit

Im regulierten Zustand, also dem Zustand des Lebens in Sicherheit (ohne Lebensbedrohung) ist der dorsale Vagus-Komplex zuständig für ‚rest & digest‘ … also Erholung, Regeneration, Ruhe, Schlaf und Verdauung.

Vor rund 40 Jahren schrieb Stanley Keleman sein Buch der ‚verkörperten Emotionen‘, und dass unsere Körper unsere Emotionen zeigen. Im ähnlichen Zeitfenster entstand eine Richtung, die sich Body Dynamic nennt. Sie erforscht Entwicklungs-Traumen und stellt Konnektionen unserer menschlichen Entwicklungsstufen mit dem jeweiligen Anschluss entsprechender Muskeln an das Nervensystem her. Heißt: wenn uns nicht unserer Entwicklungsstufe gemäß mit Würde begegnet wurde (als Embryo, Baby, Kleinkind …) ist ein Muskel, der zu eben dieser Zeit an unser Nervensystem angeschlossen wurde oder hätte werden sollen, entweder erstarrt/hart/fest – ich nenne es gerne spröde und starr – oder erschlafft, kollabiert – ich nenne es gerne eingefallen, müde, eingesunken.

Illu_Kopf_Gehirnaktivität

Vor vielen Jahrzehnten entwickelten Ida Rolf und Moshé Feldenkrais körperbasierte Methoden, um ein ‚re-tunetes‘, verstelltes Nervensystem wieder in ein ‚attuntes‘, ausgeglichenes Nervensystem zu bringen. Vor weniger als 30 Jahren dann veröffentliche Professor Dr. Stephen Porges seine revolutionäre Polyvagal-Theorie, die bestätigt, dass wir hoch entwickelten Säugetiere soziale Lebewesen sind, die einander in einer sozialen Gemeinschaft, die auf Sicherheit (innerer wie äußerer) fußt, zum Überleben brauchen.

Wir haben einen Reflex, eine Notwendigkeit zu überleben – dieses Überleben sichert uns unser wundervolles autonomes Nervensystem mit seinen insgesamt 3 Kreisläufen.

Unser Soziales Nervensystem – social engagement system

Sowohl im Leben in Sicherheit kümmert es sich um unsere Physiologie und die Aufrechterhaltung einer gesunden Homöostase. Gesteuert werden dazu 2 der 3 neuronalen Komplexe vom obersten Komplex: dem sozialen Nervensystem. Hierzu zählen der ventrale (vordere) Vagus-Ast und weitere 4 Hirnnerven. Diese 5 Nerven gemeinsam formen das, was Porges das soziale Nervensystem taufte. Ist dieser Komplex, das soziale Nervensystem, aktiv, führen wir ein ausgewogenes Leben im Gleichgewicht.

Auch zum Überleben bei Gefahr oder Bedrohung können wir auf unseren physiologischen Wächter bauen: Sollte in unserem Leben mal kurzfristige Gefahr drohen, was zum Leben nun mal dazu gehört, sichert uns unser Nervensystem auch in diesem Fall ab: Bei neuronal erkannter Gefahr oder gar Lebensgefahr reagiert das soziale Nervensystem entsprechend und schraubt kurzfristig den entsprechenden sympathischen Komplex oder den dorsalen Vagus Komplex hoch: indem es durch Kampf, Flucht oder Erstarren das Überleben sicherstellt.

Um dann – nach erfolgreicher Abwendung der Gefahr und Sicherstellung des Über-Lebens während Gefahr – wieder in den gesunden, harmonischen Zustand der Homöostase spontan zurückzugleiten. Hier können wir wieder soziale Kontakte und Nähe in Sicherheit genießen, verdauen, uns ausruhen und auch aktiv miteinander sein. Porges taufte diese Vorgänge Neurozeption.

Das essenzielle Wort ist ‚kurzfristig‘. Uns Säugetieren steht für diese kurzfristigen Überlebensstrategien durch Kampf, Flucht oder Erstarren nur ein recht kurzes Zeitfenster zur Verfügung. So lange kann der ventrale Vagus das Ganze halten und steuern. Ist dann die Gefahr oder Bedrohung nicht gebannt, nicht vorbei – schaltet sich der ventrale Vagus aus und es kann geschehen, dass das System ganz in den Sympathikus abrutscht und dort stecken bleibt. Ein einfaches, automatisches zurück-gleiten in das soziale Nervensystem scheitert. Wenn dann der Kampf oder die Flucht zu lange erfolglos ablaufen, schaltet sich auch der Sympathikus raus, und das System rutscht noch eine Stufe weiter nach unten: in den dorsalen Vagus. Auch hier ist ein Steckenbleiben (leider) möglich.

Hieraus kommen wir dann nur durch Bewegung und langsame, behutsame Re-Aktivierung des Sympathikus, um von dort mit noch mehr Sanftheit wieder in den regulierenden und steuernden vorderen Vagus-Ast mit seinem sozialen Nervensystem hochzugelangen.

Es gibt noch ein zentrales Wort: Sicherheit! Das wichtigste Wort für unser autonomes Nervensystem. Sie entscheidet über alles.

Sheyda_Schreiber_Emotionen_formen_unser_Leben_Glückliches_Leben

Faustregel: Ist die Sicherheit vorhanden oder in einem bestimmten Zeitfenster nach überstandener Gefahr oder Bedrohung wieder hergestellt – regiert und reguliert das soziale Nervensystem. Wir sind ausgeglichen, gesund mit adäquaten, sozialen Interaktionen und Beziehungen. Unsere Emotionen kommen und gehen, nichts bleibt stecken: Ein glückliches Leben.

Ist sie dies nicht – und das Nervensystem steckt in Sympathikus oder dorsalem Vagus fest – kommen wir ohne ein Wiederherstellen der Sicherheit und eine Co- oder Selbstregulation dort so leicht nicht wieder heraus. Das ist die eine Seite.

Wir haben auch einen Drang nach sozialer, körperlicher und zwischenmenschlicher Nähe und Kontakt. Diese ist ebenso wichtig für unser Überleben, weil erst der soziale Kontakt zu anderen Lebewesen aus einem Über-Leben ein Leben macht. Und dieser Drang steht auf der Liste der inneren Priorität über der Notwendigkeit des Überlebens des Organismus. Das erklärt, warum wir erwachsenen Mensch-Säugetiere auch bei einem Partner bleiben, der uns Gewalt antut oder der geschlagene Hund bei seinem Herrchen. Der Drang nach Beziehung und Nähe steht hierarchisch noch über der Notwendigkeit zu Überleben. Das mutet schrecklich und erschreckend an. Aber es ist Realität. Und zugleich ist es die Lösung. Denn in Beziehung, in Kontakt, in Verbindung zu anderen Nervensystemen können wir heilen!

Emotionen bleiben im Körper, bis sie integriert sind

Wir wissen heute, dass Emotionen, die unterdrückt wurden, irgendwo im Körper feststecken und dort bleiben – sie wurden nie gefühlt, aber sie sind noch da! Und dort formen sie unseren Körper: in seiner inneren wie äußeren Haltung. In seinen, unseren Strategien. In diversen Ausprägungen der Muskeln. In Rückenschmerzen, nach oben gezogenen Schultern, oder immer wieder kehrender Blasenentzündungen. Diese Unterdrückung entstand durch bestimmte Voraussetzungen und Prozesse im Mutterleib, der Kindheit, ist epigenetisch durch Generationen weitergegeben oder wird im Erwachsenenalter das erste Mal erlebt.

Emotionen in ihrer Gänze als alleine-überlebens-unfähiges Kind zu fühlen hätte den kleinen Organismus im wahrsten Sinne des Wortes getötet. Wir wären gestorben. Wenn also kein sichereres, selbst-reguliertes, emphatisches Gegenüber da war, als wir ganz klein waren, sogar noch im Mutterleib, konnten wir nicht in unseren Körper gehen und unsere Emotionen fühlen. Wir wussten gar nicht was das ist. Wir haben also dissoziiert. Forschungen zufolge kann dies auch bereits in Mutterleib geschehen. Wenn das Kind vielleicht gar nicht erwünscht oder geplant ist. Wenn es der ‚falsche‘ Partner war. Wenn die Mutter noch Karriere machen wollte, also der ‚falsche‘ Zeitpunkt. Die Gründe sind so vielfältig wie es Menschen und Emotionen gibt.

Wir können nur in Sicherheit hinein in unsere Emotionen im Körper fühlen. In Sicherheit sind wir, wenn andere soziale Lebewesen/oder ein anderes soziales Lebewesen (das kann auch die Kindergärtnerin oder im Erwachsenenalter der Nachbar sein), welches in sich selbst ruht und sicher ist, wach und präsent da ist. Und solch wunderbare Techniken und Ressourcen lernen wir in meinem neuen Kurs kennen! Not to be missed!

Ich würde sogar behaupten: Lebens-Wichtig.

Vor rund 6 Jahren stellte ich fest ‚Emotionen formen den Körper‘ – zu diesem Zeitpunkt kannte ich noch keines der o.g. Werke. Ich wusste es einfach intuitiv. Und kein Geld der Welt kann unsere inneren Schmerzen lindern. Damals begann ich zu forschen und begann mit dem Thema ‚Trauma‘ in Form der Traumatisierungen unserer Eltern- und Großeltern Generation. Dann näherte ich mich dem Thema Nervensystem, weil ich spürte, das wartet noch etwas zu erforschen, zu verstehen und zu lernen. Nun studiere ich intensiv beide Themen: Trauma und Polyvagal-Theorie.

Yoga, was ich nun schon seit 17,5 Jahren exploriere, anwende und weitergebe vereint wundervoller Weise sowohl Wissen über Trauma als auch die Polyvagal-Wahrheit.  Und ist noch älter als die zuvor genannten Erforschungen und Entwicklungen. Hier im Yoga können wir all unsere Anteile gesund integrieren um Körper, Geist und Seele wieder verschlackungsfrei eine Einheit werden lassen.

Doch auch die beste Yoga-Praxis als bloße Gymnastik ausgeführt oder die beste Meditation als Dissozierung ausgeführt, oder eine Atempraxis gefolgt von Panikattacken bringt rein gar nichts! Was wir brauchen ist ein trauma- und polyvagal-informierter Yoga hier und jetzt – in Anwendung und Ausführung. Bei Lehrer und Schüler. Denn das reine Potential wie oben beschrieben im Yoga als solches kann ohne die entsprechende Information von den wenigsten Menschen ohne Hilfe erschlossen werden

Und nochmal älter ist diese wunderbare Entwicklung der Evolution, der wir das soziale Nervensystem zu verdanken haben, … so ungefähr schon 200 Millionen Jahre :).

Viele Experten wünschen sich genauso wie ich und sicher viele andere Lebewesen auf diesem Planeten eines: ein Miteinander in Frieden, Würde und Mitgefühl. Wir nennen das eine polyvagal- und trauma-informierte Gesellschaft – auf und in allen Schichten und Ebenen.

Wie kann ich das erreichen?

Wie kann ich über die unendliche Liebe unseres Nervensystems zu uns Säugetieren –indem es immer und stets unser Überleben sichert– und die diesem Nervensystem evolutionär dafür innewohnende Suche (oder Sucht?) und Notwendigkeit nach sicherer Nähe, Begegnung und einem Miteinander sprechen? Und über Ressourcen?

Es gibt gesunde Ressourcen und ungesunde. Die aus Not erschaffenen sind ungesund. Sie bringen kurze Linderung, aber meiden die Ursache.

Indem ich einen neuen Kurs kreiert habe

Einen neuen Kurs, ein neues (Yoga-)Seminar für die Menschen von Jetzt! Für uns. Damit wir zusammen und gemeinsam heilen können. Denn das tun wir! Wir heilen uns durch unsere Nervensysteme gegenseitig! Ob mit oder ohne Background, Erfahrung oder Wunsch nach Yoga.

Sheyda_Schreiber_polyvagale_Theorie_Yoga

Damit wir gesunde, neue Ressourcen entwickeln und aufhören können den Strategien zu folgen, die wir als Kind zum Überleben erfinden mussten, die uns als Erwachsener jedoch früher oder später schaden. Geld mag eine Ressource sein, aber kein Geld der Welt schützt vor innerem Schmerz und Leid, welcher aus unerlöstem Trauma im Körper kommt. Wir können Trauma nicht mit Gesprächen im Kopf lösen. Wir lösen, integrieren und heilen im Körper! Aber unser Kopf, unser System darf verstehen! Und indem ich Artikel wie diesen schreibe, meinen Mit-Menschen und Student: innen davon in Kursen und Gesprächen erzähle, indem ich in Talkrunden und in Vorträgen darüber spreche.

Es ist gut, wie Hannes Jaenicke Plastik aus dem Meer und vom Strand zu fischen und zu klauben. Aber wir werden keine Klimakatastrophe, keine Umweltkatastrophe, keine weitere Gewalt damit verhindern, solange wir uns selbst fremd sind. Solange wir selbst von unserem Inneren, unserem Körper entfremdet und getrennt sind und uns im wahrsten Sinne des Wortes nicht fühlen (können). So lange werden und können (!) wir Mutter Erde und andere Lebewesen nicht mit WÜRDE, RESPEKT, MITGEFÜHL gut behandeln! Das ist ein Fakt. Solange wir keine Sicherheit in uns selbst finden und generieren, solange wird dieses Drama dauern. ‚Lange‘ ist ein weiter Begriff.

‚The road to someday leads to a town called nowhere‘. Tony Robbins

Ich bin dafür, dass wir jetzt beginnen gesunde Ressourcen zu schaffen!

Mein Wunsch, meine Vision ist eine Trauma- und Polyvagal-informierte Gesellschaft. Aus einem reinen Über-Leben hinein in ein sinnvolles und erfülltes Er-Leben, miteinander und in Frieden.

Das mag dumm, klein, lächerlich und blauäugig klingen. Aber es ist möglich, und ich trage diesen Wunsch gemeinsam mit vielen anderen Menschen in mir und in die Welt. In Trauma, der Evolution und unserem Nervensystem steckt Weisheit. Lasst sie uns entdecken. Und uns selbst sowie uns gegenseitig entdecken!

Mein neuer Kurs wird erst einmal komplett online stattfinden. Das ist unabhängig von derzeitigen äußeren Ereignissen und so wie es erst einmal sein soll. Wir zeichnen den Kurs auf, so dass die Teilnehmer ihn sich später zur Vertiefung oder wenn sie einen Termin verpassen, erneut ansehen können.

Das Curriculum sieht vor über die Polyvagal-Theorie, die Evolution, die Entwicklung und Entstehung von Traumata, den Weisheitstext des Yoga und wertvolle, gesunde Ressourcen zu informieren, gesunde Ressourcen und Yoga-Praxis zu üben und Platz und Raum für eigene Fragen zu geben. Auch ist Zeit für energetische Intervention als on-top Option eingebaut.

Rahmeneckdaten:

Form: Re-Treat mit Wissensvermittlung, Ressourcen und Praxis

Format: 9 Tage an 4,5 Wochenenden

Dauer: pro Tag zwischen 3 – 4 Stunden

Insgesamt: 30 Stunden plus

Teilnahme-Preis: 1100 bis 1300 Euro

Teilnahme-Outcome/Benefit: Verständnis, Tools, Ressourcen, neues Verständnis zu Gesellschaft, Yoga, eigenem Self, Nervensystem, Trauma, Yoga.

Er steht für sich autark als wertvolle Ressource für das Verständnis von sich selbst, der Gesellschaft, auch von Yoga, und unserem Leben. Weitere Informationen und Termine finden Sie hier!

Für wen ist dieser Kurs: Für jeden Menschen ab 16 Jahren! Egal welches Geschlechtes oder welcher Erfahrung.

Beginn: Dezember 2021

© FOUNDATIONS of YOGA Sheyda Schreiber.

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